Helden Der Krise

Die so genannte Corona-Krise hat unser Leben verändert. Niemand weiß heute, ob kurzfristig, mittelfristig oder langfristig. Aber eines steht außer Zweifel: es waren und sind Minderheiten, die die Mehrheiten tatkräftig unterstützt haben.

Es sind Menschen aus Berufsgruppen, von denen viele von uns bis vor kurzem nichts oder nicht viel wissen wollten: Rettung, Feuerwehr, Polizei, Pflegepersonal, Ärzte, Apotheker, Müllabfuhr und last not least die Mitarbeiter im Lebensmittelhandel. Diese Aufzählung ist keineswegs vollständig. Doch sie soll zum Denken anregen. Wurde während der Krise den wackeren Lkw-Chauffeuren applaudiert, waren sie ein paar Wochen zuvor noch verhasste Umweltverpester, Stauverursacher, Blockierer. Kaum einer dachte daran, dass er Mitverursacher für die Transporte war, die die Ritter der Landstraße nur durchführten. Doch all das ist plötzlich kein Thema mehr, wenn die Mehrheit der Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt ist. Da könnte sogar der Friseur zum besten Freund eines manchen werden.

Soll das heißen, dass Respekt immer nur dann funktioniert, wenn man auf andere angewiesen ist? Tatsächlich sieht es so aus. Denn wenn ich alles habe und erreiche, was ich möchte, dann brauche ich andere Menschen nicht, höchsten als unbedankte Diener. Natürlich strebt jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten nach Lebensqualität. Egal, ob in der ersten oder dritten Welt.

Die Corona-Krise hat unser aller Leben umgekrempelt. Sie hat Menschen das Leben gekostet; sie hat Menschen zu bleibenden gesundheitlichen Schäden verholfen; sie hat Menschen an den Rand des finanziellen Abgrunds oder sogar in den Ruin getrieben. Sie hat Regierungen an ihre Belastungsgrenze gebracht und Rettungsschirme ohne Ende aufpoppen lassen.

Jeder, der halbwegs über die Runden kommt und mit höchstens einem blauen Auge dem Dilemma entweicht, muss sich auch klar sein, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis das unterstützende Geld wieder erwirtschaftet ist; dass es Banken und Großkonzerne noch mächtiger und die Armen und Bedürftigen in eine noch katastrophalere Situation bringen wird.

Die Erde erholt sich schneller als der Mensch. Das haben wir noch nie miterlebt. Gerade gebeutelte Bewohner von Industriemetropolen können seit Jahren wieder richtig durchatmen. Aufnahmen aus der Raumstation ISS erwecken den Eindruck, als seien sie aufwendig nachbearbeitet worden. Wer hätte das gedacht, dass die Erde in so kurzer Zeit so stark aufatmet? Doch wie lange hält dieser beinahe paradiesische Zustand an? Nicht lange, das ist sicher! Denn sobald es auch geht, müssen die Maschinen wieder gestartet werden, um Rezession, Elend oder gar bürgerkriegsähnliche Zustände einzudämmen. Und spätestens dann werden Mensch und Umwelt wieder gleichermaßen leiden wie vor der Krise.

Glaubt jemand allen Ernstes, dass schlecht entlohnte Berufsgruppen als Sieger aus der Krise gehen. Mit welchem Geld sollte das geschehen, wenn bis jetzt die finanziellen Mittel nicht vorhanden waren? Glaubt jemand allen Ernstes, dass ein Jahr nach der Krise noch jemand auf dem Balkon applaudiert, wenn die Müllabfuhr kommt oder sich im Supermarkt bei der Verkäuferin oder Kassiererin für ihr Engagement bedankt? Wie soll das funktionieren mit dem Smartphone am Ohr und der Kreditkarte in der Hand zur Vermeidung überflüssiger Kontakte?

Doch wie es wirklich wird, liegt einzig und allein an uns allen. Zollen wir doch auch zukünftig den Minderheiten, die in der Krise für uns da waren, Respekt. Was kostet ein DANKE, eine nette Geste, ein Lächeln? Es kostet nicht einmal Überwindung. Es kostet nur die Mühe nicht zu vergessen, dass es immer und überall Menschen gibt, die für uns da sind. Und es muss uns bewusst sein, dass wir am besten funktionieren, wenn wir als kleines Zahnrad im großen Getriebe ruckfrei und rund laufen.

Was gibt es denn Schöneres auf dieser Welt, als ein gelebtes Miteinander!

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